Künstliche Intelligenz ist im Schweinestall angekommen. Sensoren für Umweltgase wie Ammoniak, Kohlendioxid u.ä., Ohrmarken mit Radio-Frequency-Identification (RFID)-Technologie, Mikrofone oder Wärmebild- und 3-D-Kameras sind in der Lage zahlreiche Daten im Stall zu erfassen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) können diese Daten für die Verbesserung der Tiergesundheit und des Tierwohls, wie zum Beispiel die Schreidetektion für die Erkennung von Schwanzbeißen oder Hitzestress genutzt werden.

Das Verhalten von Schweinen kontinuierlich zu beobachten, jede Aktivität des Einzeltiers in einer Gruppe genau zu erfassen und zu dokumentieren ist – je größer die Herde wird – eine fast unlösbare Aufgabe. Je länger der Zeitraum der Überwachung der Tiere geht, desto wichtiger werden digitale Monitoringsysteme, die den Verlauf von Tieraktivitäten und Tiergesundheit aufzeigen können. Videokameras und digitale Tools können mittlerweile größere Tierherden gut beobachten. Die Identifizierung von Einzeltieren in der Schweinezucht hat deutliche Fortschritte gemacht.

Das BMLEH-Projekt „Transparency in Pig Production“ (TiPP) hat eine umfassende Datenerhebung im Stall mit Hilfe von digitalen Sensorsystemen und künstlicher Intelligenz erforscht. Um eine Rückverfolgung des Einzeltiers vom Erzeugerbetrieb bis zur Schlachtung zu ermöglichen, wurden Versuchsbetriebe mit digitaler Sensortechnologie ausgestattet. Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der regionalen Wertschöpfungskette für Schweinefleisch wurden mittels digitaler Strategien optimiert und bisher unerforschte Digitalkonzepte erprobt. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie die Transparenz gegenüber Verbraucher:innen verbessert und relevante Informationen verständlich und glaubwürdig aufbereitet und kommuniziert werden können.

In der Veranstaltung werden die Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt TiPP vorgestellt.

Die Forschungen fanden unter anderem auf folgenden Ebenen statt:

  • Verbesserung des sicheren Datenaustausches: Der bei Nutztieren gänzlich unerforschte Einsatz einer Self Sovereign Identity (SSI) mittels Blockchain mit dem Potenzial die Sicherheit und Qualität sowie die Transparenz und Flexibilität im bidirektionalen Datentausch einer Wertschöpfungskette nachhaltig zu erhöhen. Dieses Verfahren birgt enorme Automatisierungspotenziale, um die aufwändigen Dokumentationspflichten und Kontrollen von Ketteninformationen zum Zwecke des Verbraucher- und Tierschutzes zu erleichtern.
  • Digitalisierung im Stall: Die Praxistauglichkeit wurde vor allem in Hinblick auf Datengenauigkeit, Störungsanfälligkeit, Behebung von Störungen und Optimierung der örtlichen Anordnungen im Stall geprüft.
  • Tiergesundheit und Tierwohl: Neue Indizes für die Tiergesundheit wurden entwickelt, die online für Betriebe einen Abgleich mit Schlachtdaten ermöglichen können. Ergänzend zum Tiergesundheitsindex (TGI) am Schlachthof wurden betriebsinterne Indizes entwickelt.
  • Auswertung von regelmäßigen Bonituren der Tiergesundheit und des Tierwohls, auf Betriebsebene und Schlachtdaten als Unterstützung von Managemententscheidungen und Betriebsmonitoring.
  • Entwicklung von automatisierten Auswertungssystemen für Bild- und Audiodaten in Verbindung mit künstlicher Intelligenz (KI), um Tierwohlprobleme, wie Schwanzbeißen, frühzeitig zu erkennen und witterungsabhängige Nutzung von Funktionsbereichen zu beurteilen. 
  • Verbraucherkommunikation und Informationsbedarf: Welche Informationen wünschen sich Verbraucher:innen zu Schweinefleisch – und wie lassen sich diese entlang der Shopper Journey (d. h. vor, während und nach dem Einkauf) verständlich, glaubwürdig und praxisnah kommunizieren? Ergänzend wurde untersucht, unter welchen Bedingungen Schweinehalter:innen bereit sind, digitale Tierwohldaten bereitzustellen und weiterzugeben.

Ort:

Versuchsstation für Schweinehaltung,
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Hermann-Ehlers-Str. 15
26160 Bad Zwischenahn-Wehnen

Datum:

02.12.2026 von 10.00 h bis etwa 16.00h 

Agenda:

10.00 hBegrüßung 
10.05 hGrußwortHermann Hermeling, Vorstand der Landwirtschaftskammer Niedersachsen
10.20 hDigitale Sensorsysteme im PraxiseinsatzGeorg-Friedrich Timm, Dr. Joanna Stachowitz, Thünen-Institut
10.50 hDigitalisierung und Datenmanagement    Cedrik Theesen, OFFIS, Maximilian Bosse, Uni Oldenburg
11.30 hKaffeepause 
11.50 hKI-gestütztes Tierwohlmonitoring: Potenziale und Grenzen der On-Farm-DatenerfassungProf. Dr. Imke Traulsen, Damiano Debiasi, Henrike Geffert, Uni Kiel
12.20 hTiergesundheit: Möglichkeiten und Grenzen der datenbasierten FrüherkennungDr. Sven Götz, TiHO
13.00 hMittagspause 
14.00 hDigitale Klimaeffizienz- und NachhaltigkeitsmanagementIsabelle Reker, LWK
14.30 hVerbraucherverhalten: „Schweinefleisch richtig kennzeichnen – Was Verbraucher wissen und wie sie sich informieren wollen“Christian Achilles, Dr. Aurelia Schütz, Uni Göttingen
15.00 hErfahrungen mit der Digitalisierung im SchlachthofDr. Gerald Otto, Goldschmaus Garrel
15.30 hSynthese und AusblickDr. Henrike Jansen, Dr. Neele Dirksen, LWK
16.00 hEnde der Veranstaltung 

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme. Die Anzahl der zu vergebende Plätze ist begrenzt. Daher bitten wir um rechtzeitige Anmeldung bis zum 25. November 2026. Sollten Sie verhindert sein, teilen Sie uns dieses bitte rechtzeitig im Voraus mit, damit wir den Platz erneut vergeben können.

Die Veranstaltung ist kostenlos. Für Verpflegung und Getränke wird gesorgt. 

Anmeldung bei

olaf.katenkamp@lwk-niedersachsen.de