Zum 100-jährigen Jubiläum der Grünen Woche lud das Bundesministerium BMLEH Praxisbetriebe nach Berlin ein. Am Messestand waren Betriebe aus dem Programm Zukunftsbetriebe und Zukunftsregionen des BMLEH/BLE. Für das Projekt TiPP war Dirk Sandering aus der Praxis vertreten und stand Rede und Antwort zu Fragen der Messebesucher, die vor allem am Wochenende zahlreich erschienen waren.
Das Projekt TiPP, das vom Bundesministerium für Landwirtschaft (BMLEH) gefördert wird, hat das Ziel die Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der Wertschöpfungskette Schwein mittels Digitalisierung zu optimieren. Dafür werden Daten in Echtzeit zum Stallklima gesammelt, die mit Befunddaten aus dem Schlachthof, Bonituren und Behandlungsdaten von Tierärzten verglichen werden. Insgesamt vier Praxisbetriebe mit unterschiedlichen Haltungsformen beteiligten sich an der umfangreichen Datenerhebung, die Daten zur Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Emissionen (Ammoniak, Kohlendioxid) u.v.m. lieferten. Es wurden zahlreiche Einzel- und Gruppendaten erhoben. Aus diesem umfangreichen Datenpool werten die TiPP-Wissenschaftler/-innen diverse Fragestellungen zur Tiergesundheit, zum Tierwohl oder zur Klimabilanz aus.
Sensoren im Praxiseinsatz: Tierwohl und Digitalisierung
Ein interessantes Beispiel für die Etablierung von Smart Farming stellt der Betrieb von Dirk Sandering aus Hemsloh (Landkreis Diepholz) dar. Der Betrieb hat die Digitalisierung im Stall nach einem Neubau im Jahr 2023 forciert. Von den 4.200 Schweinemastplätzen sind etwas mehr als die Hälfte 2.400 Plätze in Haltungsstufe 3 und der Rest 1.800 Plätze in HF 2. Der Landwirt setzt verstärkt auf Automatisierung, um gezielt Arbeitserleichterungen zu ermöglichen. Die Schweine im Frischluftstall stehen zu 100 % auf Stroh und ein Roboter übernimmt die tägliche Einstreu. In vier Gebäuden mit jeweils 18 Buchten gibt es 1,35 qm Platz pro Tier. Ein Trockenfutterautomat übernimmt die Fütterung in drei Phasen (Vor-, Mittel- und Endmast). Die Arbeitszeit liegt mit 0,5 bis 0,6 Stunden pro Platz im Tierwohlstall etwas höher als im konventionellen Stall. „Die Digitalisierung hilft uns“, so Dirk Sandering, „den Arbeitsaufwand deutlich geringer zu halten.“
Der Einsatz eines Roboters zum Stroheinstreu funktioniert sehr gut. Eine künstliche Intelligenz unterstützt den Landwirt dabei und übernimmt automatisch das tägliche Einstreuen von Stroh. Der Stroh-Roboter nimmt sich das Stroh selbstständig aus einem Ballenauflöser, häckselt das Stroh in die gewünschte Länge von 60 mm, entstaubt das Stroh und verteilt es im Stall. Er fährt auf Schienen an der Stalldecke und erreicht nahezu jeden Bereich im Stall. Die Bildauswertung über die KI ist sehr zuverlässig. Die Luftfeuchtigkeit sollte 70 % nicht übersteigen – sonst nässt die Strohmatte schneller durch. Bei starken Wetter- bzw. Temperaturwechsel muss die Lüftung nachjustiert werden. Im Hochsommer sorgt eine Hochdruck-Sprühkühlung für eine Abkühlung von bis zu 6 Grad. Die Wassertropfen sind extrem klein, sodass das Stroh kaum durchnässt.

Tierwohlstall mit Stroh (Quelle: Sandering, Hemsloh)
Um einen intakten Ringelschwanz bei den Schweinen zu erhalten, wird sehr viel Wert auf die Darmgesundheit und die Beschäftigung der Tiere im Stall gelegt. Das Futter besteht vor allem aus Gerste statt Weizen und eine Kräutermischung (z.B. Oregano, Anis, Fenchel, Pfefferminze), soll helfen Atemwegserkrankungen fernzuhalten. Zudem werden viele Impfungen gegen PRRS, PIA, Mykoplasmen usw. verabreicht. „Entscheidend ist es positive Reize zu geben. Stroh ist ein wunderbares Beschäftigungsmaterial. Die Tiere können mehr wühlen, sie haben mehr Platz und das Schwanzbeißen tritt deutlich seltener auf“, so der Landwirt. Immer wenn große Veränderungen auftreten wie zum Beispiel neues Futter, starker Wetterumschwung, starke Zugluft, sei aber erhöhte Wachsamkeit geboten. Das Ziel ist es Schweine mit 100 % intakten Ringelschwänzen zu mästen, was in den letzten drei Jahren sehr gut gelungen ist.
Das Projekt TiPP hat beim Einsatz von Klimasensoren, Kameras, akustischen Systemen zur Früherkennung von Atemwegserkrankungen, Durchflusssensoren für Wasser und optischen Wiegestationen den Praxisbetrieb unterstützt. Bei Systemausfällen war das Team sofort vor Ort, hat die Geräte gewartet und Sensoren auf Robustheit, Zuverlässigkeit und Resilienz (bzw. Ausfallsicherheit) der eingesetzten Systeme geprüft. „Wir haben viel Neuland betreten“, so Dirk Sandering. „Das Projektteam von TiPP hat uns gezeigt, wie unsere Emissionsbelastung im Tierwohlstall aktuell aussieht. Die Sensoren können in Echtzeit alle relevanten Stallklimadaten aufzeichnen und wir sind damit sehr zufrieden.“ Die Erfahrungen des Praxisbetriebes von Dirk Sandering zeigen, dass die Sensoren wertvolle Daten für das Stallklima liefern können. Der Wartungsaufwand ist nicht wesentlich höher als bei anderen technischen Geräten.
Was bringt die Zukunft?
Digitalisierung wird in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen – so auch in der Schweinehaltung. Die Dokumentation und der Lebenslauf der Tiere können durch digitale Hilfsmittel effizienter abgebildet werden. Der Praxisbetrieb von Dirk Sandering hat Digitalisierung verwendet, um seine Arbeit im Tierwohlstall zu erleichtern und den Arbeitsaufwand zu verringern. „Zukünftig würden wir gerne noch mehr künstliche Intelligenz einsetzen, die automatisierte Bilderauswertung zum Tierverhalten und Tierwohl liefern könnte“, so Dirk Sandering aus Hemsloh. „Ich bin davon überzeugt, dass das der richtige Weg ist. Das kostet Geld und muss bezahlt werden. Hier muss unsere Regierung und das Ministerium aktiv werden und der Verbraucher muss auch lernen, dass Qualität und deren Sicherung Geld kosten wird.“
Mehr Informationen über den Hof Sandering:
www.sandering.com
